Neues Projekt: Therapeutischer Lebensort im Sophiengrund e.V. Waldenburg

von Jessica Fläming ⋅ 01.04.2022 ⋅ Aktuelles

Kunsttherapeutisches Kur- und Seminarhaus Sophiengrund e.V. Waldenburg stellt sich vor

Geht man in letzter Zeit etwas aufmerksamer durch die historische Restbebauung der Mittelstadt in Waldenburg in der Nachbarschaft zum Schloss, entdeckt man hin und wieder - derzeit am Haus Nr. 15 und 17 – erste bauliche Bewegungen. Denn nachdem die Stadt Waldenburg vor rund 20 Jahren an drei der noch stehenden fünf Fachwerkhäuschen die Außenhülle neu erstrahlen ließ, fiel der Ortsteil seit dem in eine Art Dornrößchenschlaf. Man kann nunmehr durch die wechselnden Bauschuttcontainer ahnen, dass in den Häusern die Entkernungsarbeiten begonnen haben. Aber wie ein „richtiger Bau betrieb“ sieht das Ganze dann doch nicht aus (?) – so könnte man sich zunächst fragen.

Mittelstadt Waldenburg - ein magischer Ort mit lebendiger Vergangenheit und zukunftsfähigem Potential, der sich nach Wiederbelebung sehnt – so empfindet es die Initiative des Kur- und Seminarhauses Sophiengrund. Nicht nur ehemalige Wirkstätte einer Mühle (ab 1482) sondern auch Gerber, Färber und Tuchmacher prägten den Ortsteil – so auch ab 1757 die Schankwirtschaft Zur Ente (heute Gebäude Nr. 17).

Noch vor 100 Jahren galt das benachbarte Schloss Waldenburg als ein Zentrum hochkarätiger Kunst und Kultur mit bemerkenswerten sozialen Impulsen - dank der Geschwister Sophie (1885 bis 1936) und Günther (1887 bis 1960) als die letzten Nachfahren der Schönburgischen Herrschaften in Waldenburg seit dem 12. Jahrhundert. Sophie lebte für jede Art von Kunst und höheren Geisterkenntnissen. Sie wird am Lebensende als demokratisch gesinnte Kosmopolitin beschrieben und sah den Untergang der gesellschaftlichen Bedeutung des Adelsgeschlechts voraus!

Wir möchten an den Geist dieses Ortes anknüpfen - etwas von innen nach außen zu stülpen und versuchen zu verwandeln, ohne Althergebrachtes zu wiederholen. Die Vision eines präventiv-therapeutischen Zentrums mit angegliedertem Kur- und Seminarhaus sowie Natur-, Kunst- und Kulturwerkstätten einschließlich tiergestützter Therapie hat uns den Mut gegeben zu beginnen. Die aktuellen Zeitgeschehnisse gaben uns Veranlassung, den Ideenraum etwas offener zu formulieren:

Therapeutischer LEBENSORT – mit vielfältigen heilsamen Impulsen

für Erde, Pflanzen, Tiere und Menschen

Und zurück zur eingangs gestellten Frage die Antwort: Der sozialtherapeutische Impuls hat im Rahmen der baulichen Umsetzung bereits begonnen!

Die Luisenhof-Gemeinschaft im benachbarten Langenchursdorf als Mitinitiator versteht sich als therapeutische Einrichtung insbesondere für Jugendliche und junge Erwachsene mit Unterstützungsbedarf, die meist durch häufige Biografieabbrüche viel von ihrer natürlichen Selbstbestimmung und der Teilhabe an verschiedenen Lebensbereichen verloren haben. Diese Menschen mit ihren ganz individuellen Bedürfnissen erlernen dort im Rahmen eines vielschichtigen Wohn-, Arbeits- und Therapieansatzes – der Methode „Dorf“ oder dem „Alltag als Therapie“– u.a. durch sinnvolle Tätigkeiten in konkreten Arbeitszusammenhängen eine möglichst selbstverantwortete, sinnerfüllte Lebensführung, die Entwicklung der gesamten Persönlichkeit sowie die Ausbildung sozialer Kompetenzen.

Auf den Höfen der Gemeinschaft sind mehrere Werkstätten des alltäglichen Bedarfs untergebracht. Ein Kernstück dabei ist die biologisch-dynamische Landwirtschaft mit Gärtnerei, in der durch den Anbau von Pflanzen und die Haltung von Tieren ein heilender Umgang mit unserer Erde erleb- und erlernbar gemacht werden kann. Als dauernde Werkstatt gibt es neben der Hauswirtschaft auch die Bauhütte mit den unterstützenden Bereichen Holz- und Metallbau, die sich dem Erhalt denkmalgeschützter Objekte unter baubiologischen Gesichtspunkten verschrieben hat. Die Bauaktivitäten firmieren mittlerweile auch juristisch eigenständig in dem Tochterunternehmen „DenkMalBauSozial Callenberg gGmbH“, deren behutsamer Umgang mit denkmalgeschützter Bausubstanz bereits mehrfach unter Beweis gestellt wurde (u.a. Sächsischer Landeswettbewerb Ländliches Bauen 2015, 1. Preis Kategorie Umnutzung, Luisenhof Brunnenhaus). Auch hier steht nach Satzung „die Integration bzw. Inklusion von Menschen mit geistigen, körperlichen, psychischen Behinderungen oder Erkrankungen im Vordergrund“.

Dahingehend ist im Sophiengrund zunächst vorgesehen, die geplanten baulichen Aktivitäten zur Sanierung der vorhandenen Bausubstanz in baubiologisch unbedenklicher Bauweise teilweise durch den sozialtherapeutischen Werkstattbereich der Luisenhof-Gemeinschaft umzusetzen. Für die erste Betriebsphase mit betreuten Wohngruppen und der Wiederbelebung des ehemaligen Gasthof´s als „KulturCafé zur Ente*inclusiv“ und therapeutischen Praxisräumen wurde zudem eine Kooperation mit der Luisenhof-Gemeinschaft beschlossen.

 „Wenn man Beziehungen zu den Biographien jener aufbaut, die ehemals dort lebten und gleichzeitig Arbeitsvorgänge aufgreift, die den Ort prägten, so kann man die Stimmung einer ganzen Gegend heben. Was entsteht, ist eine Art wiedergewonnene Würde, die sich auf die Menschen überträgt. Ein bemerkenswertes Stück umgekehrter Alchemie.“ [gemäß Ruskin Mill Trust].

Für das Gelingen unserer Visionen braucht es noch einige fleißige Hände und kreative Köpfe. In der nächsten Zeit wird es noch mehr Bewegung auf dem Gelände der Mittelstadt geben. Wir möchten uns den Bürgern von Waldenburg auch persönlich vorstellen und uns mit unseren Plänen und unserer Arbeit zeigen. Die folgenden Termine sind geplant und wir freuen uns über regen Besuch.

  • Tag der offenen Baustelle am Ostersonntag, den 17. April ab 13:00 Uhr

  • Tag der Städtebauförderung mit der Gesellschaft für Stadt- und Landentwicklung Sachsen/Thüringen am Samstag, den 14. Mai

  • BausommerCamp 2022 vom 1. - 7. August
    In diesem AktivUrlaub kann an denkmalgeschützten Gebäuden baubiologisch unbedenkliche Bauweisen wie beispielsweise Lehmputzgestaltung erlernt werden. Neben den vielfältigen Bauhelfer-Arbeiten zur Gebäudesanierung und den Gestaltungen der Außenanlagen sowie Gartenpflege warten auf dich besonderen Begegnungsmomente im Kreise wertschätzender Menschen. Am Montag beginnt die Woche mit der Anreise, der Begegnung einander und einer Willkommensbegrüßung. Von Dienstags bis Freitag können wir gemeinsam am Bau mitwirken, ausprobieren, uns wohl- und reinfühlen. Am Samstag wird die Woche mit einem kreativ, kulturellen Tag und Workshops abgerundet. Sonntags klingen wir beim gemeinschaftlichen Aufräumen die Woche, das Erlebte und Erlernte aus. Wunderschöne Zeltmöglichkeiten gibt es auf dem Gelände in Nähe der Mulde, welche vor und nach dem gemeinsamen Bauen zur Erfrischung einlädt. Frühstück, Mittag und Abendessen wird für eine Pauschale angeboten. Anmeldung für das BauSommerCamp 2022 und den Newsletter können gerne unter BausommerCamp@sophiengrund.de  erfolgen.

Weitere Informationen und Kontakt:
https://www.luisenhof-gemeinschaft.de/projekte.html

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