Körperorientiertes Aufstellen
von Thomas Horst Lemke
Erschienen im MITEINANDERSEIN 114 (September bis November 2026)
Systemische Aufstellungen machen verborgene Dynamiken in Beziehungen, Familien, Teams oder inneren Konflikten sichtbar. Häufig liegt der Schwerpunkt dabei auf den räumlichen Positionen und Sätzen der Stellvertreter und den daraus entstehenden Erkenntnissen. Körperorientierte Aufstellungsarbeit geht einen entscheidenden Schritt weiter: Sie bezieht den Körper als wertvolle Informationsquelle bewusst in den Prozess mit ein. Neben den Beziehungsdynamiken werden auch Körperhaltung, Atmung, Muskelspannung, Blickrichtung, Bewegungsimpulse und andere körperliche Reaktionen einbezogen. Denn viele Erfahrungen und Beziehungsmuster sind nicht nur im Denken, sondern auch im Körper gespeichert. Oft zeigt der Körper bereits, was der Verstand noch nicht erfassen kann.
Dadurch entstehen Lösungen nicht allein durch neue Einsichten und sprachliche Verhandlung, sondern durch ein unmittelbares Erleben. Veränderungen werden körperlich erfahren und können sich deshalb tiefer verankern als rein geistige Erkenntnisse. Neue Haltungen werden nicht nur verstanden, sondern gespürt. Diese Verbindung aus systemischem Verstehen und körperlichem Erleben macht Aufstellungen besonders nachhaltig – unabhängig davon, ob es um berufliche Herausforderungen, persönliche Entwicklung, gesundheitliche Themen oder familiäre Beziehungen geht. Wer den Körper bewusst einbezieht, holt auch das Nervensystem mit ins Boot und erschließt oft Lösungswege, die mit Worten allein verborgen geblieben wären.
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