Erschienen im MITEINANDERSEIN 113 (Juni bis August 2026)

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01.06.2026 ⋅ Human Design, Lebensberatung

In spirituellen Kontexten begegnet uns häufig das Konzept des Karma. Es wird meist als Prinzip von Ursache und Wirkung verstanden: „Schlechte“ Taten ziehen negative Folgen nach sich, manchmal sogar über mehrere Leben hinweg. Ähnlich wird von „karmischen Verbindungen“ gesprochen: Beziehungen, die sich vertraut anfühlen, obwohl sie neu sind, oder von denen man sich trotz Leid nur schwer lösen kann.

Bleibt man bei dieser Deutung, entsteht schnell der Eindruck, das Leben sei eine Abfolge von Aufgaben: klären, wiedergutmachen, Fehler vermeiden. Handlungen werden an einer moralischen Instanz gemessen, und es bildet sich der Glaubenssatz: „Ich muss etwas Bestimmtes tun, um gutes Karma zu haben oder schlechtes zu vermeiden.“ Doch wer entscheidet eigentlich, was „gut“ oder „schlecht“ ist – wir selbst, eine göttliche Instanz oder gesellschaftliche Normen? Aus meiner Erfahrung, geprägt durch eine Nahtoderfahrung bei der Geburt, zeigt sich das „Göttliche“ anders: als reine Präsenz, als Weite, Licht, Liebe und ein bedingungsloses „Es ist“. Eine Instanz, die urteilt, erscheint darin nicht. Wer unberührte Natur betrachtet, ein Tier beobachtet oder das Lachen eines Babys hört, spürt mehr dieses urteilsfreie Sein als eine moralische Bewertung. 

In meiner Arbeit begleite ich Menschen dabei, ihre eigenen Deutungen bewusst zu betrachten: Welche Gefühle und Glaubenssätze sind mit einer Erfahrung verbunden? Was braucht noch Anerkennung, Vergebung oder Verständnis? Wird dies bewusst, löst sich das vermeintliche Karma oft auf – und zeigt sich als das, was immer schon da war: reine Existenz. Was wir einander antun, stellt das Leben in wirklich all seinen Facetten dar. Welche Bedeutung wir dem geben und welche Folgen wir daraus ableiten, bestimmen wir selbst. Blicken wir tiefer auf eine Ebene, in der alles einfach ist, verliert auch das Konzept von Ursache und Wirkung an Gewicht. Karma wird dann nicht mehr als feste Instanz erlebt, sondern als Deutung – relevant vor allem für diejenigen, die an ihr festhalten. 

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